charging_infrastructure

Ladeinfrastruktur im Ländervergleich: Nordrhein-Westfalen hat 27,3-mal so viele Ladepunkte wie das Saarland

Eine Auswertung des Ladesäulenregisters zeigt enorme regionale Unterschiede: Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen zählt über 41.000 Ladepunkte, während das Saarland auf rund 1.500 kommt.

Elektroauto Radar RedaktionVeröffentlicht am 3 Min. Lesezeit geprüft am 09.09.2026Redaktionsrichtlinien

Beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur klafft zwischen den deutschen Bundesländern eine erhebliche absolute Lücke. An der Spitze der Auswertung steht Nordrhein-Westfalen mit 41.201 registrierten Ladepunkten, während das Saarland mit 1.509 Ladepunkten das Schlusslicht bildet. Damit verfügt Nordrhein-Westfalen rechnerisch über 27,3-mal so viele Ladegelegenheiten wie das kleinste Flächenland. Auch im Vergleich zu anderen Flächenländern und Stadtstaaten zeichnet sich eine deutliche Spreizung im Bundesgebiet ab.

Was die Daten zeigen

Die Auswertung des Ladesäulenregisters der Bundesnetzagentur durch Elektroauto Radar belegt eine starke Konzentration der absoluten Ladeinfrastruktur auf die bevölkerungsreichen und flächengroßen Bundesländer im Westen und Süden der Republik. Hinter Nordrhein-Westfalen folgt Bayern mit 39.849 Ladepunkten, dicht gefolgt von Baden-Württemberg mit 35.202 Ladepunkten. Diese drei Bundesländer stellen zusammen den überwiegenden Teil der Ladeinfrastruktur im erfassten Datenbestand.

Bundesländer nach Ladepunkten

BundeslandLadepunktedavon schnellStandorte
Nordrhein-Westfalen41.2019.18322.499
Bayern39.8499.51322.838
Baden-Württemberg35.2025.64118.863
Niedersachsen20.7836.19211.482
Hessen16.1054.0438.952
Schleswig-Holstein8.0382.0184.349
Rheinland-Pfalz8.0212.6954.527
Berlin7.5611.0744.953

Quelle: Bundesnetzagentur / Elektroauto Radar

Die nachfolgende Übersicht fasst die im Datensatz ausgewerteten Länder zusammen:

BundeslandAnzahl Ladepunkte
Nordrhein-Westfalen41.201
Bayern39.849
Baden-Württemberg35.202
Niedersachsen20.783
Hessen16.105
Schleswig-Holstein8.038
Rheinland-Pfalz8.021
Berlin7.561
Saarland1.509

Ladeinfrastruktur in Deutschland

Ladestandorte
116.442
Ladepunkte
209.134
Schnellladepunkte
49.374

ab 50 kW

Quelle: Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur, aufbereitet von Elektroauto Radar.

Mit deutlichem Abstand zur Spitzengruppe rangiert Niedersachsen bei 20.783 Ladepunkten, gefolgt von Hessen mit 16.105. Im mittleren vierstelligen Bereich bewegen sich Schleswig-Holstein (8.038) und Rheinland-Pfalz (8.021). Der Stadtstaat Berlin weist 7.561 Ladepunkte auf. Das Saarland liegt mit 1.509 Ladepunkten abgeschlagen am Ende dieses Vergleichsfelds.

Warum das so ist

Die absoluten Differenzen zwischen den Bundesländern spiegeln in erster Linie strukturelle Rahmenbedingungen wider. Nordrhein-Westfalen weist als bevölkerungsreichstes Land zahlreiche verdichtete Ballungsräume auf. Kommunale Initiativen, Stadtwerke und überregionale Betreiber konzentrieren ihre Investitionen häufig auf urbane Zentren und verkehrsreiche Pendlerkorridore. Ähnliches gilt für Bayern und Baden-Württemberg, wo wirtschaftsstarke Regionen und weite Verkehrsachsen einen kontinuierlichen Netzausbau begünstigen.

Das Saarland hingegen weist als kleinstes deutsches Flächenland sowohl eine deutlich geringere Landesfläche als auch eine entsprechend kleinere Gesamtbevölkerung auf. Dadurch fällt die absolute Nachfrage im Markt geringer aus, was sich unmittelbar in der Gesamtzahl der installierten Anschlüsse niederschlägt. Zwischen den beiden Grenzwerten zeigen Länder wie Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz mit jeweils knapp über 8.000 Ladepunkten, dass auch in mittelgroßen Bundesländern die Gesamtzahl der Stationen stark von regionalen Gegebenheiten und der Verteilung von Fern- und Nahverkehrswegen geprägt wird.

Was das für E-Auto-Fahrer bedeutet

Für den Alltag von Fahrerinnen und Fahrern haben diese absoluten Unterschiede direkte Konsequenzen für die regionale Ladeflexibilität. In Regionen mit hoher Dichte an Ladestationen in Deutschland stehen bei Ausfällen oder belegten Säulen in der Regel mehrere Ausweichoptionen im nahen Umfeld zur Verfügung. Wer beispielsweise Ladestationen in Essen oder anderen Teilen Nordrhein-Westfalens nutzt, bewegt sich in einem engmaschigen Versorgungsnetz.

Im Saarland oder in Bundesländern mit niedrigerer Gesamtanzahl kann die Verfügbarkeit alternativer Ladepunkte im direkten Umkreis hingegen schneller limitiert sein, insbesondere abseits der Hauptverkehrsachsen. Bei Fahrten über Landesgrenzen hinweg – etwa vom Saarland ins benachbarte Rheinland-Pfalz mit seinen 8.021 Ladepunkten – müssen Routen und Ladestopps mitunter vorausschauender gewählt werden. Auch Stadtstaaten zeigen eine andere Dynamik: Obwohl Ladestationen in Berlin mit 7.561 Ladepunkten in absoluten Zahlen hinter den großen Flächenländern liegen, verteilen sich diese Ladepunkte auf ein kompaktes Stadtgebiet, was andere Nutzungsmuster als in Flächenländern erfordert.

Methodik

Grundlage dieses Berichts ist das offizielle Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur. Die Daten umfassen alle regulär gemeldeten, öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Deutschland und wurden von Elektroauto Radar für die jeweiligen Bundesländer ausgewertet. Berücksichtigt wurden ausschließlich die im Datensatz enthaltenen Meldungen nach den Kriterien der Bundesnetzagentur. Bei den Werten handelt es sich um absolute Bestandszahlen zum Erfassungsstand der zugrunde liegenden Datenbank.

Quellen

Passend dazu

Community

Deine Meinung zum Beitrag

0 Beifall · noch keine Beiträge