Ladeinfrastruktur im Ländervergleich: Nordrhein-Westfalen hat 27,3-mal so viele Ladepunkte wie das Saarland
Eine Auswertung des Ladesäulenregisters zeigt enorme regionale Unterschiede: Spitzenreiter Nordrhein-Westfalen zählt über 41.000 Ladepunkte, während das Saarland auf rund 1.500 kommt.
Beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur klafft zwischen den deutschen Bundesländern eine erhebliche absolute Lücke. An der Spitze der Auswertung steht Nordrhein-Westfalen mit 41.201 registrierten Ladepunkten, während das Saarland mit 1.509 Ladepunkten das Schlusslicht bildet. Damit verfügt Nordrhein-Westfalen rechnerisch über 27,3-mal so viele Ladegelegenheiten wie das kleinste Flächenland. Auch im Vergleich zu anderen Flächenländern und Stadtstaaten zeichnet sich eine deutliche Spreizung im Bundesgebiet ab.
Was die Daten zeigen
Die Auswertung des Ladesäulenregisters der Bundesnetzagentur durch Elektroauto Radar belegt eine starke Konzentration der absoluten Ladeinfrastruktur auf die bevölkerungsreichen und flächengroßen Bundesländer im Westen und Süden der Republik. Hinter Nordrhein-Westfalen folgt Bayern mit 39.849 Ladepunkten, dicht gefolgt von Baden-Württemberg mit 35.202 Ladepunkten. Diese drei Bundesländer stellen zusammen den überwiegenden Teil der Ladeinfrastruktur im erfassten Datenbestand.
Bundesländer nach Ladepunkten
| Bundesland | Ladepunkte | davon schnell | Standorte |
|---|---|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 41.201 | 9.183 | 22.499 |
| Bayern | 39.849 | 9.513 | 22.838 |
| Baden-Württemberg | 35.202 | 5.641 | 18.863 |
| Niedersachsen | 20.783 | 6.192 | 11.482 |
| Hessen | 16.105 | 4.043 | 8.952 |
| Schleswig-Holstein | 8.038 | 2.018 | 4.349 |
| Rheinland-Pfalz | 8.021 | 2.695 | 4.527 |
| Berlin | 7.561 | 1.074 | 4.953 |
Quelle: Bundesnetzagentur / Elektroauto Radar
Die nachfolgende Übersicht fasst die im Datensatz ausgewerteten Länder zusammen:
| Bundesland | Anzahl Ladepunkte |
|---|---|
| Nordrhein-Westfalen | 41.201 |
| Bayern | 39.849 |
| Baden-Württemberg | 35.202 |
| Niedersachsen | 20.783 |
| Hessen | 16.105 |
| Schleswig-Holstein | 8.038 |
| Rheinland-Pfalz | 8.021 |
| Berlin | 7.561 |
| Saarland | 1.509 |
Ladeinfrastruktur in Deutschland
- Ladestandorte
- 116.442
- Ladepunkte
- 209.134
- Schnellladepunkte
- 49.374
ab 50 kW
Quelle: Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur, aufbereitet von Elektroauto Radar.
Mit deutlichem Abstand zur Spitzengruppe rangiert Niedersachsen bei 20.783 Ladepunkten, gefolgt von Hessen mit 16.105. Im mittleren vierstelligen Bereich bewegen sich Schleswig-Holstein (8.038) und Rheinland-Pfalz (8.021). Der Stadtstaat Berlin weist 7.561 Ladepunkte auf. Das Saarland liegt mit 1.509 Ladepunkten abgeschlagen am Ende dieses Vergleichsfelds.
Warum das so ist
Die absoluten Differenzen zwischen den Bundesländern spiegeln in erster Linie strukturelle Rahmenbedingungen wider. Nordrhein-Westfalen weist als bevölkerungsreichstes Land zahlreiche verdichtete Ballungsräume auf. Kommunale Initiativen, Stadtwerke und überregionale Betreiber konzentrieren ihre Investitionen häufig auf urbane Zentren und verkehrsreiche Pendlerkorridore. Ähnliches gilt für Bayern und Baden-Württemberg, wo wirtschaftsstarke Regionen und weite Verkehrsachsen einen kontinuierlichen Netzausbau begünstigen.
Das Saarland hingegen weist als kleinstes deutsches Flächenland sowohl eine deutlich geringere Landesfläche als auch eine entsprechend kleinere Gesamtbevölkerung auf. Dadurch fällt die absolute Nachfrage im Markt geringer aus, was sich unmittelbar in der Gesamtzahl der installierten Anschlüsse niederschlägt. Zwischen den beiden Grenzwerten zeigen Länder wie Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz mit jeweils knapp über 8.000 Ladepunkten, dass auch in mittelgroßen Bundesländern die Gesamtzahl der Stationen stark von regionalen Gegebenheiten und der Verteilung von Fern- und Nahverkehrswegen geprägt wird.
Was das für E-Auto-Fahrer bedeutet
Für den Alltag von Fahrerinnen und Fahrern haben diese absoluten Unterschiede direkte Konsequenzen für die regionale Ladeflexibilität. In Regionen mit hoher Dichte an Ladestationen in Deutschland stehen bei Ausfällen oder belegten Säulen in der Regel mehrere Ausweichoptionen im nahen Umfeld zur Verfügung. Wer beispielsweise Ladestationen in Essen oder anderen Teilen Nordrhein-Westfalens nutzt, bewegt sich in einem engmaschigen Versorgungsnetz.
Im Saarland oder in Bundesländern mit niedrigerer Gesamtanzahl kann die Verfügbarkeit alternativer Ladepunkte im direkten Umkreis hingegen schneller limitiert sein, insbesondere abseits der Hauptverkehrsachsen. Bei Fahrten über Landesgrenzen hinweg – etwa vom Saarland ins benachbarte Rheinland-Pfalz mit seinen 8.021 Ladepunkten – müssen Routen und Ladestopps mitunter vorausschauender gewählt werden. Auch Stadtstaaten zeigen eine andere Dynamik: Obwohl Ladestationen in Berlin mit 7.561 Ladepunkten in absoluten Zahlen hinter den großen Flächenländern liegen, verteilen sich diese Ladepunkte auf ein kompaktes Stadtgebiet, was andere Nutzungsmuster als in Flächenländern erfordert.
Methodik
Grundlage dieses Berichts ist das offizielle Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur. Die Daten umfassen alle regulär gemeldeten, öffentlich zugänglichen Ladepunkte in Deutschland und wurden von Elektroauto Radar für die jeweiligen Bundesländer ausgewertet. Berücksichtigt wurden ausschließlich die im Datensatz enthaltenen Meldungen nach den Kriterien der Bundesnetzagentur. Bei den Werten handelt es sich um absolute Bestandszahlen zum Erfassungsstand der zugrunde liegenden Datenbank.
Quellen
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